Programmstruktur

Zum Aufbau der Tagung

Es dürfte kaum ein Thema in der Therapie- und Beratungsszene geben, das eine solche Vielfalt an Perspektiven und Meinungen zu bieten hat wie das Thema „Diagnosen und Diagnostik“.
Unser Ziel ist es, für KollegInnen aus den unterschiedlichsten Professionen und psychosozialen Feldern, mit unterschiedlichsten Erfahrungs- und Interessenhorizonten, im Rahmen dieses Tagungsthemas ein spannendes und relevantes Programm zu bieten.
Auf der Tagung wird es nur wenige hochkarätige Plenarveranstaltungen geben.
Der Schwerpunkt wird zum einen auf dem Dialog zwischen unterschiedlichen und auch kontroversen Positionen liegen. Darüber hinaus dienen praxisorientierte Workshops der Vermittlung von Wissen, Konzepten und Methoden.

Strukturübersicht

Plenarveranstaltung & Vorträge

Donnerstag: Nach einem Eröffnungsvortrag von Tom Levold über Geschichte und Kontexte diagnostischer Praxis wird es zur Einleitung in die Thematik der Tagung Impulsreferate von Michael B. Buchholz, Peter Fiedler und Jürgen Kriz zum Thema Pro und Contra Diagnostik geben, die einen Einstieg in die Multiperspektivität der Tagung bieten.
Am Abend werden wir die Möglichkeit haben, bei einer Evening Lecture Ulrike Borst und ihre Reflexionen zum Thema Diagnosen und Diagnostik im öffentlichen Diskurs zu hören.

Freitag: Der zweite Tagungstag startet mit einem Hauptvortrag von Fritz B. Simon, der sich mit dem Tagungsthema seit über drei Jahrzehnten aus systemtheoretischer Sicht beschäftigt.

Samstag: Trotz des Tagungsfestes am Freitagabend lohnt sich das Frühaufstehen am Samstagmorgen: Manfred Lütz wird den Schlusstag ab 8 Uhr mit einem erfahrungsgesättigten wie humorvollen Vortrag über seine Ansichten zum Thema eröffnen.
Otto Kernberg, wird den inhaltlichen Teil der Tagung mit seinen Reflexionen über die verschiedenen Aspekte der Tagung abschließen.

Panels

Gerahmt durch diese Plenarveranstaltungen sind die Panels die zentralen Begegnungsformate auf dieser Tagung. Zu unterschiedlichen Themenbereichen haben wir jeweils zwei, drei oder vier KollegInnen eingeladen, ihre unterschiedlichen theoretischen und praktischen Perspektiven auf das Thema miteinander zu diskutieren und Fragen aus dem Publikum zu beantworten. Der Schwerpunkt liegt hier nicht auf ausgearbeiteten Vorträgen, sondern auf der Präsentation von Thesen, die in einer moderierten Diskussion Stoff für weitere Auseinandersetzungen innerhalb und außerhalb der Panels geben sollen.

Workshops

Für alle, die neben theoretischen und praxisorientierten Debatten Bedarf haben, spezifische Vorgehensweisen oder Gegenstandsbereiche von Diagnosen und Diagnostik kennenzulernen oder sich mit ihnen zu beschäftigen, bieten erfahrene ReferentInnen eine Vielzahl von spezialisierten Workshops an.

Außerdem dient die Tagung auch dazu, zu zeigen wie systemische und hypnosystemische Praxis stattfindet. Dabei können sich TagungsteilnehmerInnen konkretes Handwerkszeug für Ihre therapeutische Arbeit mit nach Hause nehmen.

Inhalte und Themenschienen

Die wesentlichen Aspekte des Tagungsthemas (Panels und Workshops) sind zu Themenschienen zusammengefasst, so dass Teilnehmer, die mit einem spezifischen Interesse zur Tagung kommen, ihre Themenschiene im Verlauf der gesamten Tagung weitgehend verfolgen können.

Falldiskussionen & Supervisionspanels

Durchgängig in allen Zeitblöcken wird es Veranstaltungen geben, in denen KollegInnen einen vorbereiteten Fall aus ihrer Praxis vorstellen. Dieser Fall wird von Vertretern verschiedener Ansätze aus ihrer Perspektive beleuchtet, bevor das Plenum in die Diskussion einbezogen wird.

Themenschiene Donnerstag Panels & Workshops

Systemische Perspektiven auf Diagnostik

Der (Stellen-)Wert von Diagnostik ist im systemischen Ansatz umstritten. Mehrere Panels geben hier die Möglichkeiten, sich mit den Facetten des systemischen Diagnostik-Diskurses unter unterschiedlichen Fragestellungen auseinanderzusetzen: Wie kommen Diagnosebefürworter und -gegner innerhalb des systemischen Feldes miteinander ins Gespräch? Gibt es ein Störungswissen ohne Pathologieorientierung, und wie kann es gewinnbringend eingesetzt werden? Welche Konsequenzen sind bei der Etablierung der systemischen Therapie als Richtlinienverfahren zu erwarten, und können Systemiker aus der Geschichte anderer Verfahren, beispielsweise der Verhaltenstherapie, lernen und unerwünschte Entwicklungen vermeiden? Welche Voraussetzungen und Konsequenzen hat eine systemtheoretische Analyse der Begriffe Störung bzw. Krankheit? Wie handeln wir im Spannungsfeld zwischen einer spezifi schen systemdiagnostischen Expertise und einer Haltung des Nicht- Wissens? Über diese Themen hinaus behandeln Workshops systemische Konzepte für eine diagnostische Einschätzung unterschiedlicher Problemkonstellationen.

Diagnostik im Kontext

Diagnosen sind keine beobachterunabhängigen Phänomene der Wirklichkeit. Sie entstehen in spezifischen professionellen und institutionellen Kontexten und entfalten dort ihre Wirkung und Dynamik. Solche Kontexte stehen im Zentrum dieser Themenschiene. Nutzen und Gefahren von Diagnosen und Diagnostik im Psychotherapieprozess, in psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken, in der psychosozialen Arbeit, in Erziehungs- und Lebensberatungsstellen, in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und in der berufsbezogenen Arbeit werden in den Panels dieser Themenschiene erörtert. Spezielle Workshops zum Thema ergänzen dieses Angebot.

Themenschiene Freitag
Panels & Workshops

Politische, ethische und kulturelle Fragen

Jede Einschätzung und Beurteilung von Menschen und ihren Problemen ist mit einer Einordnung in Kategorien verbunden. Dies gilt für diagnostische Klassifikationen im besonderen Maße. Das wirft Fragen nach der Zulässigkeit und den Folgen solcher Einordnungen auf, zumal wenn sie mit rechtlichen, ökonomischen und politischen Implikationen für die Beteiligten und die Betroffenen einhergehen. In dieser Themenschiene wird nach der ethischen Fundierung von Diagnostik gefragt, Raum für die Erzählungen von Diagnose-Betroffenen geschaffen, die Kulturspezifität diagnostischer Praktiken erörtert sowie die Forderung nach einer Abschaffung von DSM und ICD und mögliche Alternativen diskutiert. Unterschiedliche Erfahrungen in den Gesundheitswesen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz dienen unter anderem dazu, die Folgen einer sozialrechtlichen Anerkennung der Systemischen Therapie für die Zukunft der Systemischen Community zu thematisieren.

Kinder und Jugendliche

Notwendigkeit und Stellenwert der Diagnostik in der Jugendhilfe und das „genaue Erkennen“ notwendiger Maßnahmen bei Fragen der Kindeswohlgefährdung stehen in dieser Themenschiene zur Diskussion. Darüber hinaus wird es Workshops u. a. zur Ressoucendiagnostik und zu spezifischen Problemkonstellationen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen geben, beispielsweise Suizidalität, Mutismus, Störungen des Sozialverhaltens und ADHS.

Themenschiene Samstag
Panels & Workshops

Diagnostik und klinische Bilder in der Arbeit mit Erwachsenen

Neben einem Panel zur Problematik der forensischen Diagnostik wird es Workshops zu psychiatrischen Diagnosen im Allgemeinen, zu Sozialphobien, Persönlichkeitsstörungen, Depression, Sucht etc. im Besonderen geben.

Diagnostikformate

Die meisten internationalen Gesundheitssysteme orientieren sich an den Klassifikationen des DSM oder der ICD. Ist dieses Vorgehen alternativlos, oder eröffnen andere Ansätze vielversprechendere Möglichkeiten, das zu erfassen, was der Fall ist oder sein könnte? Verspricht eine Manualisierung von Psychotherapie die besten Ergebnisse oder vielmehr eine Orientierung am psychotherapeutischen Prozess? Workshops u. a. zur Operationalen psychodynamischen Diagnostik (OPD), zur Utilisation von Klientenparametern, zur Beziehungsdiagnostik, zur konversationsanalytischen Fallrekonstruktion und zur Bindungsdiagnostik thematisieren unterschiedliche Möglichkeiten des Fallverstehens.